Nov 2
50 Tage Knast für ein Zitat von K.I.Z.

“Die Sonne scheint so hell, die Vögel singen schief, ich will töten, töten, töten“: Dieses Zitat aus einem ganz legalen Song der Rap-Crew K.I.Z. hatte ein junger Mann in seinem Wer-kennt-wen-Profil stehen. Dafür soll er jetzt 50 Tage im Gefängnis verbringen.
Die Rapper von K.I.Z. sind bekannt für ihren schwarzen Humor. “Die comichaften, grotesk übersteigerten Alphatier-Lyrics bleiben eine Offenbarung”, schrieb der Spiegel über ihre Texte. Doch bei der Polizei versteht man keinen Spaß: Zwei Zitate aus Rap-Songs, eines von K.I.Z., eines von Prinz Porno, könnten jetzt einen jungen Mann ins Gefängnis bringen.
“Das ist die 12 Gauge Mossberg Pumpaction, einfach halten und auf keinsten an der Schulter ansetzen, die streut wie Sau, sie bringt Dich ins Nirvana, frag Kurt“, heißt es in dem Track “Generation Counterstrike” von Prinz Porno. “Die Sonne scheint so hell, die Vögel singen schief, ich will töten, töten, töten. Der Winter ist vorbei, ich habe Frühlingsgefühle, ich will töten, töten, töten” stammt von K.I.Z.-Album “Sexismus gegen Rechts”.
Die beiden Zitate hatte der 20-jährige Jack S. auf seinem Wer-kennt-wen-Profil veröffentlicht. “Im Zuge anderer Ermittlungen”, so Hartmut Carra, Direktor des Amtsgerichtes Kaiserslautern, hatten Polizeibeamte die persönliche WKW-Seite des jungen Mannes angeschaut. Die Zitate interpretierten sie als Hinweise auf einen möglichen Amoklauf und durchsuchten die Wohnung des jungen Mannes.
Das war nicht ganz unberechtigt: Jack S. hatte schon früher Ärger mit der Justiz. Bei einer Hausdurchsuchung nahmen sie 20 Messer und seine Paintball-Ausrüstung mit. Mit Jacks Paintball-Pistole war aus dem vorderen Seitenfenster eines fahrenden Autos ein Schuss abgegeben worden. Der junge Mann selbst saß hinten und auf der anderen Seite - er wurde freigesprochen.
Trotzdem sagt Jack von sich selbst: “Ich habe schon einen leichten Waffenfetisch”. Er findet es sogar gut, dass die Polizei reagiert hat und dem Verdacht eines möglichen Amoklaufs nachgegangen ist. Aber nachdem die Polizisten bei ihm nach illegalen Schusswaffen und Sprayerutensilien gesucht und beides nicht gefunden hatten, hielt er die Sache für erledigt - zumal er die Beamten auf die Rap-Tracks hingewiesen hatte, aus denen die beiden Zitate stammen.
Am 20. Oktober allerdings erließ ein Richter wegen “Störung des öffentlichen Friedens” Strafbefehl gegen Jack S.: 500 Euro Strafe und die Verfahrenskosten soll er zahlen - oder für 50 Tage ins Gefängnis gehen. Dass es sich bei den Aussagen um Zitate handelt, wurde dabei gar nicht erörtert. Hartmut Carra erklärt das Urteil seines Kollegen so: “Es ist eine Frage der Außenwirkung. Er hat das unter der Überschrift geschrieben, was er gerade macht - ohne einen Hinweis darauf, dass das Zitate sind.”
Jack S. ist damit nicht einverstanden: “Ich bin kein Amokläufer, und ich will nicht verurteilt werden und 500 Euro zahlen für Songtexte von legalem Liedgut”, sagt er. Einen Anwalt kann er sich nicht leisten, seinen Job als Helfer am Bau hat er gerade erst seit drei Wochen. Trotzdem hat er Widerspruch gegen den Strafbefehl eingelegt. Nun wird bald in einer Hauptverhandlung entschieden werden, ob zwei Zitate aus ganz legalen Songs den öffentlichen Frieden stören.
:: in Vorbereitung





